Azubis finden über Social Media hat wenig mit Tanzvideos zu tun. Es geht darum, dass ein Sechzehnjähriger abends auf dem Sofa an eurem Betrieb hängen bleibt und denkt: Da könnte ich arbeiten.
Warum die Stellenanzeige nicht mehr reicht
Die Betriebe, die bei uns anrufen, haben meistens schon alles probiert. Stellenanzeige, Portale, eine Anzeige im lokalen Blättchen, Ausbildungsmesse. Gekommen ist trotzdem kaum jemand.
Das liegt selten am Betrieb. Eine Zeitungsanzeige und ein Flyer haben schlicht zu wenig Fläche, um zu zeigen, wie es bei euch ist. Also positioniert ihr euch über Hard Facts. Was bietet der Betrieb, was kann er, wie viele Ausbildungsplätze besetzen wir dieses Jahr.
Ein Sechzehnjähriger entscheidet heute über Soft Facts. Ist das Team nett? Ist die Stimmung gut? Sieht der Betrieb gut aus? Kann ich mich damit identifizieren?
Über Text lässt sich das kaum vermitteln, über Bilder und Videos schon. Und dann glaubt der Jugendliche nicht mehr eurer Behauptung, er macht sich sein eigenes Bild. Wer Nachwuchs für den Betrieb finden will, muss ihn also hineinschauen lassen.
Wo die Jugendlichen wirklich hingucken
Die Aufmerksamkeitsspanne auf Social Media ist niedrig, und sie ist in den letzten Jahren gesamtgesellschaftlich weiter gesunken. Ihr habt ungefähr drei Sekunden.
Dafür arbeiten wir mit Visual Hooks. Die haben zuerst nur eine Aufgabe, nämlich das Scrollen zu stoppen. Danach baut der Kontext die Identifikation auf, über das Bild und über das gesprochene Wort.
Im allerersten Bild steht der Azubi dann in echter Arbeitsatmosphäre und macht einen großen Schritt nach vorne auf die Kamera zu. Die Bewegung stoppt den Daumen. Den Rest erledigt der Ort, weil man in einer Sekunde sieht, wo dieser Mensch arbeitet.
Was ein Betrieb zeigen muss
Azubi-Recruiting im Handwerk lebt davon, dass sich ein Bewerber cool fühlt bei dem, was er sieht. Jeder will stolz sagen können, wo er seine Ausbildung macht. Fünf Motive, die bei uns laufen:
- Der Azubi an seinem echten Arbeitsplatz, wo er erzählt, wie sein Alltag aussieht
- Ein Testimonial, in dem er über seine Erfahrung in der Ausbildung spricht
- Gemeinsame Freizeit, ein Ausflug oder ein Feierabend
- Der Ausbilder erklärt, wie Azubis bei euch unterstützt werden
- Der Betrieb selbst, also Räume, Ausstellung, Werkstatt und Ausstattung
Beim ersten Motiv passiert etwas, das leicht übersehen wird. Wenn wir den Azubi in der Produktion filmen statt vor einer weißen Wand, übernimmt die Umgebung die Beweisführung. Man sieht ohne einen einzigen Satz, dass das ein seriöser und gut ausgestatteter Betrieb ist.
Und Employer Branding hört nicht beim Azubi auf. Alles, was auf eurem Kanal läuft, zahlt darauf ein.
Was Betriebe stattdessen zeigen wollen
Das Erste, was die meisten machen, ist Social Media als Produktmedia zu benutzen. Der Kanal wird zum Werbekatalog. Und weil authentische Bilder fehlen, kommen dabei Karussell-Posts mit reinen Textaussagen heraus.
Dazu die Klassiker. Eine Verabschiedung, eine Neueinstellung, jemand hat Geburtstag. Das kann man alles machen. Nur erreicht so ein Beitrag fast ausschließlich eure bestehenden Follower, und ein „Wir haben noch einen Ausbildungsplatz frei“ holt genau die Reichweite, die es verdient.
Der Grund dafür ist eine Art Handshake mit den Plattformen. Instagram und TikTok wollen, dass Leute lange bleiben, und das passiert über Unterhaltung. Dass ihr euer Produkt dort kostenlos vermarktet, liegt nicht in ihrem Interesse, dafür sollt ihr Werbebudget zahlen.
Also braucht ihr eine Symbiose. Content, der Reichweite holt und trotzdem seriös bleibt, und dazwischen sinnvoll platzierte Produktbotschaften. Wer Azubis gewinnen will, macht auf Instagram Content, der über den Betrieb informiert und dabei unterhält.
Wer vor die Kamera gehört
Am besten beide. Der Azubi ist die Persona, mit der sich ein Bewerber identifiziert, deshalb zieht er stärker an.
Der Chef gehört trotzdem ins Bild. Er sammelt Sympathien, allerdings nur, wenn er sich authentisch zeigt und nicht als Marketingbotschafter des eigenen Unternehmens auftritt. Der Effekt ist wichtiger, als er klingt. Niemand soll sich bewerben und dabei Angst vor der Führungsriege haben.
Aus der Praxis: wenn der Azubi nicht will
Die Sätze, die man erwartet, hören wir selten. Kaum ein Chef sagt „bei uns wird gearbeitet und nicht gefilmt“. Der Widerstand kommt fast immer vom Azubi selbst, und er heißt Schüchternheit.
Wir stehen rund 90 Tage im Jahr in echten Betrieben, überwiegend im Oberbergischen Kreis, und 95 Prozent der Leute vor unserer Kamera sind Laien. Deshalb läuft das bei uns immer nach demselben Muster ab.
Zuerst sagen wir, dass Nervosität vor der Kamera völlig normal ist. Dann ziehen wir den Vergleich mit dem ersten Arbeitstag. Der war mit Sicherheit auch aufregend, und mit der Zeit ist daraus Routine geworden. Vor der Kamera zu sprechen ist genauso.
Danach kündigen wir an, was passieren wird. Beim ersten Video unterbrechen wir und geben Hilfestellung, damit er sich an den Ablauf gewöhnt. Nach dem zweiten oder dritten Mal wird es leicht. Und niemand wird dafür verurteilt, dass er es noch nicht kann.
Die Sorge des Chefs ist eine andere. Was ist, wenn der Azubi nächstes Jahr kündigt? Dann war das Video ein Jahr online und hat seinen Zweck erfüllt. Wer es sauber regeln will, schließt Model-Release-Verträge ab, dann bleiben die Rechte am Material im Betrieb. Auch die Angst, ein Azubi könnte den Betrieb falsch darstellen, nehmen wir ab: Wir prüfen als Partner mit, ob die Aussagen zum Unternehmen passen. Das ist Teil unserer Recruiting-Videos.
Warum du nicht nach acht Wochen aufhörst
Es kann sein, dass sich nach dem ersten Posting jemand meldet. Verlassen solltest du dich darauf nicht.
Wenn ihr jetzt sofort jemanden braucht, ist organisches Marketing der falsche Weg. Dann sind bezahlte Anzeigen schneller. Nur bewirbt sich auch dort niemand direkt aus der Anzeige heraus. Er schaut sich vorher eure Website an und euren Feed.
Genau deshalb wird jede Werbemaßnahme mit der Zeit wirksamer, je mehr Content bei euch online steht. Das gilt nicht nur für Social Media. Auch eure Anzeige im Blättchen wirkt besser, wenn der Jugendliche danach etwas findet, das ihn überzeugt. Der Informationskanal junger Leute ist heute Social Media, und alles andere zahlt darauf ein.
Was du ohne Agentur ab morgen machen kannst
Zwei Dinge, für die du niemanden brauchst.
Zeig die Arbeit, nicht nur das fertige Ergebnis. Einem fertigen Produkt sieht man nicht an, unter welchen Bedingungen es entstanden ist. Am Prozess dagegen sieht man, ob die Leute zufrieden sind. Nimm das Handy mit und schneide daraus ein Reel.
Und zeig das Arbeitsumfeld. Wie sieht der Betrieb aus, gibt es eine Ausstellung, wie ist der Arbeitsplatz, welches Werkzeug liegt da? Niemand will im Handwerk mit Supermarktwerkzeug arbeiten. Wenn zu sehen ist, dass ihr gut ausgestattet seid, weiß der Bewerber, dass die Arbeit bei euch angenehm ist.
Bei uns in der Agentur läuft es genauso. Wir zeigen, womit gearbeitet wird: Apple-Rechner, gute Kameras, ein Diensthandy. Das motiviert und hebt uns von der Konkurrenz ab.
Irgendwann stößt die Eigenleistung an eine Grenze, und die hat weniger mit Technik zu tun als mit Durchhalten. Employer Branding wirkt über Kontinuität. Eine einzelne Maßnahme verpufft. Diese Kontinuität ist mit einem festen Partner leichter zu halten, als die Aufgabe im Betrieb immer wieder von einem zum nächsten zu reichen. Dazu kommt der Blick über mehrere Branchen, weil wir viele Betriebe gleichzeitig begleiten und sehen, was wo funktioniert.
Wenn du wissen willst, wo euer Kanal gerade steht, nimm den kostenlosen Social-Media-Check. Willst du wissen, was eine laufende Betreuung kostet, steht die Spanne im Artikel über die Kosten von Social Media Marketing.
Häufige Fragen
Müssen unsere Azubis wirklich vor die Kamera?
Ohne Menschen im Bild funktioniert Recruiting-Content kaum, weil sich ein Bewerber an genau dieser Stelle sehen will. Zwingen muss aber niemand. Wir drehen rund 90 Tage im Jahr in echten Betrieben, und 95 Prozent der Leute vor unserer Kamera stehen dort zum ersten Mal. Wer trotzdem nicht will, wird nicht gefilmt. Dann zeigen wir das Arbeitsumfeld, die Ausstattung und den Ausbilder.
Was ist, wenn der Azubi nach der Ausbildung geht?
Dann war das Video ein Jahr oder länger online und hat seinen Zweck erfüllt. Danach verschwindet es aus dem Feed. Wer es sauber regeln will, schließt mit den Mitarbeitern einen Model-Release-Vertrag ab. Damit bleiben die Nutzungsrechte am Material im Betrieb, auch wenn die Person nicht mehr da ist.
Reicht es, wenn wir das mit dem Handy selbst machen?
Für den Anfang ja. Nimm das Handy mit in die Werkstatt, filme die Arbeit und schneide daraus ein Reel. Die Grenze ist selten die Technik. Es ist das Durchhalten. Employer Branding wirkt über Monate und über viele Beiträge. Genau da schlafen die meisten internen Lösungen ein, weil die Aufgabe im Betrieb von einem zum nächsten wandert.
Wie schnell kommen die ersten Bewerbungen?
Das lässt sich nicht seriös versprechen. Es kann nach dem ersten Posting passieren, meistens dauert es länger. Wenn ihr sofort jemanden braucht, sind bezahlte Anzeigen der schnellere Weg. Der organische Content arbeitet trotzdem mit, weil sich fast jeder Bewerber vor der Bewerbung euren Feed und eure Website ansieht.